Neue HOAI in Kraft

Seit dem 18.08.2009 ist die neue HOAI in Kraft, die das Preisrecht für Architekten und Ingenieure grundlegend umgestaltet. Im Folgenden sollen die wesentlichsten Änderungen kurz angesprochen werden:

1. Neue Gliederung

Die HOAI setzt sich zukünftig aus einem verbindlichen Teil und einem Anhang, der ergänzende Empfehlungen enthält, zusammen. Es gibt, wie auch zum Beispiel beim BGB üblich, nunmehr einen vor die Klammer gezogenen Allgemeinen Teil, der übergreifend für die jeweiligen Leistungsbilder gilt.

2. Die Regulierung

Die HOAI regelt Mindest- und Höchstpreise nur noch für die in Teil 2 bis 4 beschriebenen Leistungen, nämlich die Flächenplanung (Bauleitplanung; Landschaftsplanung), Objektplanung (Gebäude- und raumbildende Ausbauten; Freianlagen; Ingenieurbauwerke; Verkehrsanlagen) und Fachplanung (Tragwerksplanung; technische Ausrüstung). Hingegen sind Beratungsleistungen (beispielhaft Umweltverträglichkeitsprüfung; Leistungen für Schallschutz und Raumakustik) sowie die Besonderen Leistungen nunmehr im unverbindlichen Anhang enthalten.

3. Honorarermittlung

Ein ganz wesentliches Ziel der neuen HOAI ist es, das Honorar von den tatsächlichen Baukosten abzukoppeln. Nunmehr bestimmen sich die anrechenbaren Kosten – und damit das Honorar der Architekten/Ingenieure – nur noch nach der Kostenberechnung. Die Ermittlung der anrechenbaren Kosten soll entweder nach den fachlich allgemein anerkannten Regeln der Technik oder nach ortsüblichen Preisen/Kostenvorschriften erfolgen. Die Anrechnung von Kosten der mitverarbeiteten Bausubstanz nach § 10 Abs. 3a HOAI a. F. entfällt. Im Gegenzug wird der Rahmen für eine Vereinbarung über den Zuschlag bei Umbauten und Modernisierungen von 33 % auf 60 % erhöht.

4. Höhere Flexibilität der Vertragsgestalltung

Honorare für Beratungsleistungen und Besondere Leistungen können nunmehr gemäß § 632 Abs. 2 BGB frei vereinbart werden, insoweit enthält die HOAI lediglich unverbindliche Honorarempfehlungen. § 6 Abs. 2 HOAI eröffnet nunmehr die Möglichkeit, eine „Baukostenvereinbarung“ über die anrechenbaren Kosten zu treffen, die unmittelbar auf die Honorarberechnung durchschlägt.

5. Erprobungsphase

Der Begründung zur 6. HOAI-Novelle kann entnommen werden, dass die Bundesregierung eine Erprobung der neuen HOAI für notwendig erachtet. Als ausreichende Erprobungsphase wird ein Zeitraum von max. 5 Jahren angesehenIn dieser Zeit wird auch auf die unmittelbar und mittelbar Betroffenen, also die Architekten, deren Kunden und letztendlich die hiermit verbundenen Dienstleister, erheblicher Beratungs- und Klärungsaufwand zukommen, da etliche der neuen Vorschriften erst im Lichte der neueren Rechtsprechung ihre konkreten Auswirkungen zeigen werden.

 

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