Risse im Mauerwerk – Was tun?

UnbenanntZunächst fragt sich der Immobilieneigner, der plötzlich Risse im Mauerwerk seiner Immobilie feststellt, welche Ursachen und möglichen Verantwortlichen vorliegen, damit er nicht auf seinem Schaden sitzen bleibe.

Beispielhaft seien im Folgenden in der Praxis häufig auftretende Ursachen für Rissbildungen im Mauerwerk aufgeführt:

  • Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück (speziell: Absackungen durch Tiefbauarbeiten, Erschütterungen durch Bauarbeiten mit schwerem Gerät)
  • Erschütterungen, Erdhebungen oder Erdsenkungen durch Bohrungen (Erdwärmebohrungen (Geothermie), aufquellender Gipskeuper, Kanalarbeiten)
  • Baubedingte Ursachen (Spannungen durch Verwendung verschiedener Baustoffe, nicht fachgerechte Gründung oder Armierung)
  • Natürliche Ursachen (Baumwurzeln, Erdbeben, Frost)

Meist dürfte die Ursache der Rissbildungen jedoch im Verborgenen liegen und nicht derart offensichtlich zu Tage treten, dass sie der Hauseigentümer ohne fremde Hilfe zweifelsfrei feststellen könnte (wie bspw. bei sichtbar in das Mauerwerk wachsenden Wurzeln). Sodann hilft dem Hauseigentümer meist nur noch die Einholung eines Sachverständigengutachtens. Die so entstehenden Kosten sind zwar zunächst vom Eigentümer zu tragen, sind aber gegebenenfalls von dem Verursacher zu erstatten.

Die Feststellung der Ursache stellt eine notwendige Vorarbeit zur Prüfung möglicher Ersatzansprüche dar, die bestenfalls schon vor dem Besuch beim Rechtsanwalt erfolgt ist. Ohne diese Feststellung ist eine erfolgversprechende Geltendmachung von Schadensersatz- /Entschädigungsansprüchen nicht möglich.

Steht die Ursache dagegen fest, ist zu fragen, ob diese auf ein vorwerfbares Handeln oder Unterlassen eines Dritten zurückzuführen ist. Neben Mängelansprüchen gegen den Bauunternehmer (bei baubedingten Ursachen) kommt bei sonstigen, unnatürlichen Ursachen der klassische Schadensersatzanspruch gegen den Verursacher in Betracht. Dieser setzt jedoch den Nachweis eines Verschuldens voraus. Wenn der Verursacher (bspw. Unternehmer) die Regeln der Technik eingehalten hat (bspw.DIN 4150, Erschütterungen im Bauwesen), kann es an dem Verschulden fehlen.

Rettungsanker: Angemessene Entschädigung in Geld.

Dann bleibt dem Eigentümer gegebenenfalls nur noch der Weg über eine verschuldensunabhängige Entschädigung in Geld, wobei der Anspruch seinerseits an besondere Voraussetzungen (wie ortsübliche Nutzung des beeinträchtigenden Grundstücks) geknüpft ist.

Die Entschädigung kann betragsmäßig einem Schadensersatzanspruch entsprechen. Besonderes Augenmerk muss allerdings auf die Auswahl des richtigen Anspruchsgegners gelegt werden. Haftet beispielsweise der letztverursachende Unternehmer mangels Verschulden nicht (s.o.), kann sich der Entschädigungsanspruch nur gegen den Eigentümer des emittierenden Grundstücks richten.

Eine Besonderheit besteht bei Geothermiebohrungen, da diesbezüglich eine verschuldensunabhängige Haftung des Verursachers nach dem BBergG in Betracht kommen kann. Als Anspruchsgegner kommt sodann auch eine hinter dem Unternehmen stehende Versicherung in Betracht. Zum Leidwesen der Betroffenen ist jedoch allzu oft festzustellen, dass diese die Regulierung verzögern.

Zu beachten hat der Anspruchsteller ebenfalls, dass Schadensersatz- und Entschädigungsansprüche der dreijährigen Verjährung unterliegen. Wenn Risse im Mauerwerk auftauchen und die Ursache feststeht, ist daher Eile geboten, um Rechtsverluste zu vermeiden.

Speak Your Mind

*